Als am 15. Oktober 1947 die Strecke von Hannover nach Köln eröffnet wird, gibt es noch drei offizielle Bahnübergänge in der Gemarkung Haste – „Auf dem Rähden“, in Verlängerung der Straße „Reddinger Bruch“ und „Waldstraße“.

Mit dem Bau des Mittellandkanales wird der Bahndamm zwischen Wunstorf und Haste bis zur Durchfahrthöhe der Kanalbrücke angehoben. Der Übergang „Auf dem Rähden“ wird dabei durch einen gemauerten Dammdurchlass, heute im Volksmund Backofen genannt, ersetzt, der Übergang in Ortsmitte entfällt.
Der Überweg an der Waldstraße bleibt als beschrankter Bahnübergang erhalten.

Bereits am 28. Dezember 1914 hat sich laut Protokollbuch der Gemeinde Haster der Gemeinderat ausführlich mit der Situation am Bahnübergang befasst. Auch damals ist schon von einer Brücke und einem Tunnel die Rede. Wahrscheinlich durch die Kriegsereignisse bedingt, wird keine der vorgestellten Maßnahmen und Gegenvorschläge durchgeführt.

Der Bahnübergang Waldstraße (L449) bleibt jedoch über Jahrzehnte ein Thema bei den Ratssitzungen in Haste.

Mit der Erschließung der Siedlungsgebiete Wilhelmsdorf und Waldfrieden nach dem Ersten Weltkrieg und dem Bevölkerungszuwachs, sowie weiterer Siedlungstätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg kommt diesem Bahnübergang eine immer größere Bedeutung zu.

Bahn- und Kraftfahrzeugverkehr nehmen seit den 1950er Jahren ständig zu.
Lange Warteschlangen vor der Schranke sind die Folge.

Der handbetriebene Schrankendienst (Bild links von 1966) ist nicht mehr zu bewältigen und nach der Elektrifizierung der Strecke wir auch der Schrankendienst vom Stellwerk aus bedient.

Die modern ausgerüstete Anlage (Bild unten links von 1996) mit Schranke, Andreaskreuz, Warnlicht, akustischem Signal und automatischer Steuerung kann die verkehrliche Situation nicht entschärfen. Der Verkehr staut häufig zurück bis in die Hauptstraße (B442 - Bilder unten von 2005).

Ein neues Verkehrskonzept der Deutsche Bahn AG, dass für die hohen Geschwindigkeiten der ICE-Züge keine höhengleichen Kreuzungen mit Landes- und Bundesstraßen zulässt, bringt erste Lösungsansätze.

In den Jahren nach der Jahrtausendwende 2000 gibt es Überlegungen für eine neue Schnellzugtrasse zwischen Hannover und Minden an Wunstorf und Haste vorbei. Umweltverträglichkeitsprüfungen werden durchgeführt, zahlreiche regionale Bürgerinitiativen wehren sich gegen den erheblichen Eingriff in die Landschaft. Nachdem diese Planungen aus Gründen des Widerstandes, der Kosten und Effizienz als nicht durchführbar erkannt werden, konzentrierten sich die Entwürfe wieder auf die lokalen Problemstellungen.

Eine weit geschwungene Brücke, die die Gleisanlagen an der südlichen Ortsgrenze überspannt und die Waldstraße mit der B442 verbindet wird in einer ersten Planung vorgestellt. Gleichzeitig wird ein Tunnel mit behinderten gerechten Zugängen zu den Bahnsteigen und Unterquerung der Gleisanlagen für Fußgänger zu den westlichen Ortsteilen vorgesehen.


Am 23.April 2013 wird nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten im Dorfkrug in Hohnhorst durchgeführt.
Vorgestellt werden die für die Beseitigung der höhengleichen Bahnübergänge in Hohnhorst und Haste erforderlichen Maßnahmen.
Der Justiziar und Moderator der Deutschen Bahn AG stellt die verschiedenen Zuständigkeitsbereiche und deren Leiter/innen vor. Im Wesentlichen sind dies die DB Netz AG und die DB Projektbau GmbH. Die Deutsche Bahn AG sieht Ihre Aufgabe ausschließlich in der Umsetzung der Planfeststellungsbeschlüsse und kann keine Aussagen zur regionalen Planung und zur Verkehrsführung machen. Die Planfeststellungsbeschlüsse durch den Landkreis Schaumburg als Straßenbaulastträger sind rechtsverbindlich. Mit Beginn der Baumaßnahmen unterhält die Projektleitung ein Baubüro vor Ort.

Zahlreiche Fragen zur Berücksichtigung des Geh- und Radwegverkehrs, insbesondere zur Schule und Sporthalle, können nur mit dem Verweis auf das abgeschlossene Planfeststellungsverfahren beantwortet werden. Einem Geh- und Radweg von Hohnhorst zum Bahnhof Haste unter dem Brückenbauwerk hindurch will die Deutsche Bahn nicht im Wege stehen, erwartet aber konkrete Planunterlagen vom Straßenbaulastträger.

Die in den Gemeinden einsehbaren Entwurfspläne des Planfeststellungsverfahrens werden vom Ingenieurbüro noch einmal kurz erläutert.
Begonnen haben bereits vorbereitende Maßnahmen wie Räumung der Bauflächen von Bewuchs, Schaffung von Ausgleichsflächen und Änderungen an den Sicherungseinrichtungen des Bahnverkehrs.
Anlieger, die gemäß Lärmgutachten von Neubau und Änderung der Verkehrsführung betroffen sind, sollen ohne weitere Aufforderung weitere Informationen erhalten.
Sperrzeiten in denen kein Zugverkehr stattfinden kann, sind für September und Dezember 2014 als unveränderlich festgeschrieben.
Viele Fragen bleiben offen und manche Wünsche bleiben unberücksichtigt.
Mit Erleichterung wird von den Betroffenen zur Kenntnis genommen, dass eine Maßnahme, die bereits am 28. Dezember 1914 im Haster Gemeinderat behandelt wurde, endlich umgesetzt wird.
Die Vergabe der Baumaßnahmen an ausführende Baufirmen erfolgt im Juli 2013. Erst danach können die Fragen zum Baustellenverkehr und den Ablaufplänen beantwortet werden.


Am 24. April 2015 ist eine über 100 Jahre andauernde Diskussion zu Ende gegangen.

Die Straßenbrücke der Landesstrasse und der Gehwegtunnel können nach nur 1,5 Jahren Bauzeit und ohne Überschreitung der Plankosten ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Haster Ortsteile sind damit ohne Behinderung verbunden, der Schulweg ist sicherer geworden und die Bahnschranken sind eine Erinnerung an die Dorfentwicklung !

Mit einem von den Gemeinden Haste und Hohnhorst veranstalteten zweitägigen Fest wird die Fertigstellung der Bauwerke gefeiert.
Ein organisierter Brückenlauf über und durch alle neuen Bauwerke endet mit einer Feierstunde an der Sporthalle.
Am nächsten Tag erfolgt die offizielle Übergabe an die Verkehrsteilnehmer. Die ersten Kraftfahrzeuge auf der Brücke sind die Busse mit den Vertretern aus Politik und Verwaltung sowie angemeldeten Bürgern mit Behinderung, die dieses Ereignis nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad erleben können. Der lang ersehnte Tag endet mit Vorträgen und einer Feier im Bürgerhaus in Haste.


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