Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Bahn befindet sich das Empfangsgebäude des Haster Bahnhofs noch in der Planungsphase. Noch am 15. Juni 1847 gibt der stellvertretende Ingenieur Carl Rodemann im "Central-Bureau der Staats Eisenbahn" in Kassel seine Zustimmung zu einem ersten Entwurf, der ein deutlich kleineres, asymmetrisches Empfangsgebäude vorsieht. Die später tatsächlich realisierten Entwürfe, die dem kurhessischen Baumeister Julius Eugen Ruhl zugeschrieben werden, sind leider nicht erhalten - mit Ausnahme von zwei Ansichten.
Auch über die Gründe für die herausragende Größe des 1850 fertiggestellten Empfangsgebäudes kann nur spekuliert werden: Ausschlaggebend mag sein, dass die tatsächlich erst 1872 durch eine private Gesellschaft realisierte Zweigbahn in Richtung Bad Nenndorf von kurhessischer Seite bereits zu dieser Zeit projektiert und der Haster Bahnhof von Anfang an als künftiger "Trennungsbahnhof" konzipiert ist. Daneben sind repräsentative Gründe anzunehmen, da Haste die einzige Station in der kurhessischen Grafschaft Schaumburg ist und hier die Reisenden nach Bad Nenndorf empfangen werden.

Zur Bauzeit des Bahnhofes hat das Dorf Haste etwa 200 Einwohner. Die Bahn schafft Arbeitsplätze. Haste wird Umlade- und Verteilort der Post, bekommt Verwaltungsaufgaben der Post und des Forstes, die wiederum Arbeitsplätze schaffen. Die Einwohnerzahl stieg deutlich schneller als die der Nachbarorte und überholt diese schnell. Der Bahnanschluss ist für die Entwicklung des Ortes Haste in großen Teilen verantwortlich und wäre ohne diesen bislang anders verlaufen. Der Bahnhof ist der  Mittelpunkt von Haste. In der Zeit der Amtsperiode des Bürgermeisters Wolfgang Moczall wird das Empfangsgebäude in das Verzeichnis der schützenswerten Baudenkmale eingetragen.
Als letzte Station im Großraumverkehr Hannover mit Halt von S-Bahnen und Regionalexpresszügen hat der Bahnhof die Funktion als Umsteigebahnhof zwischen Zügen und anderen Verkehrsmitteln. Es gibt nicht nur Fußgänger und diejenigen, die sich mit dem PKW bringen lassen, sondern auf die Einwohnerzahl von ca. 2700 bezogen eine besonders große und dennoch nicht ausreichende Park & Ride Anlage, eine Bike-Station sowie gut besuchte Bus und Schnellbuslinien.
Das Empfangsgebäude hat als Ort der Begegnung für Bürger, als Ort zum Verweilen für Reisende, Umsteigende, Wanderer und Radler eine zentrale Bedeutung. Wenn jemand von außerhalb irgendetwas mit dem Ort in Verbindung bringen soll, so tut er dies in der Regel mit dem Bahnhofsgebäude. Es ist das Identifikationsmerkmal, das Gesicht des Ortes Haste.

Der Bahnhof wirkt sich, nach dem Auszug der Deutschen Bahn und der letzten Mieter, durch das desolate Erscheinungsbild des Empfangsgebäudes und seine brach gefallenen Betriebsanlagen investitionshemmend auf seine Umgebung aus. Er wirkt als "Tor zur Gemeinde Haste" auf täglich 4000 Bahnreisende und Pendler besorgniserregend bis abschreckend. *)

Der Arbeitskreis "Haster Runde" appelliert mit Schreiben an die DB Netz AG, an die Gewerbeaufsicht, die Bauaufsichtsbehörde, das BMWi und mit einer Petiton an den Niedersächsischen Landtag an die Verantwortung öffentlicher Stellen. Daran anknüpfend haben sich besorgte Bürger zu einer Interessengemeinschaft zusammengefunden um den Erhalt des historischen Bauwerks zu fördern. Durch Stellungnahmen der Denkmalschutzbehörde und die Aussagen in Diplomarbeiten sowie die durchgeführten Untersuchungen ist die Erhaltungswürdigkeit bestätigt. Verschiedene Anläufe der Deutschen Bahn AG das Bauwerk einer wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen sind offenbar nicht erfolgreich gewesen. Am 30.11.2007 werden an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG 1456 Unterschriften für den Erhalt des Empfangsgebäudes übergeben. Es folgen Verhandlungen zwischen der Deutsche Bahn AG, Landkreis, Gemeinde und dem Planungsbüro Wehmeier. Die Interessengemeinschaft zieht sich zurück, da sie wegen vereinbarter Vertraulichkeit zwischen den Beteiligten die Bemühungen nicht verfolgen und somit nicht unterstützend beeinflussen kann.
Eine erfolgreiche Projektierung scheint am Ende auch davon abhängig zu sein ob sich genügend Interessenten für die Nutzflächen finden lassen.

Quelle: *) Aus dem Vortrag von Dr. Udo Obal anlässlich der Info-Veranstaltung der Interessengemischaft am 21.09.2007

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